Geschichte

Fröhliche, aufgestellte Bedienung, ein kleiner Schwatz, Spass und aufgeräumte Stimmung – so erleben Kundinnen und Kunden Chef und Personal der Metzgerei Friedli an der Mittelgäustrasse 53 Tag für Tag.

Im Jahr 2017 wurde der KMU-Betrieb mit acht Mitarbeitenden 90 Jahre alt. Begonnen hatte es 1927. Damals übernahmen Karl und Frieda Friedli-Uhlmann, die Grosseltern des heutigen Geschäftsinhabers, am selben Standort die Dorfmetzgerei samt Viehhandlung von Jakob Brunner. Karl Friedli schlachtete damals noch selber. 1957 gab er den Betrieb an die nächste Generation mit Hans und Elisabeth Friedli-Dubach weiter. Bald übernahm der Schlachthof Olten und nach dessen Schliessung um 1970 das Genossenschafts-Schlachthaus in Langenthal die Schlachtertätigkeit.

Feldkisten und Militärkochgeschirr

1974 erfolgte eine Zäsur: Obschon die Metzgerei Friedli als eine der ersten der Region über eine Kühlanlage verfügt hatte, wurde von Grund auf modernisiert. Die alte Metzgerei wich dem heutigen Bau mit modernisierter Wursterei, umgebauter Zerlegerei und umgestaltetem Ladenlokal. Dem Zeitgeist wiederum voraus, führte Hans Friedli sen. einen Partyservice ein, damals wurden die Mahlzeiten noch mit Feldkisten und Militärkochgeschirr ausgeliefert. Seit diesem Zeitpunkt konzentriert sich die Metzgerei Friedli auch auf regionale Lieferanten, welche von der Region Aarau bis ins Berner Oberland reichen.

1987 übernahm mit Hans jun. und Iris Friedli-Henry die dritte Generation den Familienbetrieb. Damals schon war ein Trend stark im Kommen: Vom «Arme Leute»-Fleisch hin zu Filet-Stücken. Innereien wie Herz, Lunge, Nieren oder Kutteln waren kaum mehr gefragt. «Zu Unrecht, deren Nährwert ist mindestens ebenso hoch», wie Hans Friedli jun. erklärt. Dennoch: Die Stammkundschaft blieb den Friedlis erhalten; nicht zuletzt wegen der betriebseigenen Spezialitäten wie Wurst, Rohwurst und Schinken oder den Hochzeits-Apéros, Menüs und Grilladen-Buffets.

«Wie ein guter Wein»

Überhaupt: Die Lagerung und Reifung des Fleisches ist eine der wichtigsten Spezialitäten im Hause Friedli. Bis zu 16 Wochen kann Fleisch unter den richtigen Bedingungen gelagert werden «und reifen wie ein guter Wein», schwärmt Hans Friedli jun. Trocken, marmoriert und mit intramuskulärem Fett versehen muss es sein, dann ist die Qualität am besten. Während der Lagerung können die einzelnen Fleischstücke zwar bis zu 15 Prozent Gewicht verlieren, dennoch hat man nach der Zubereitung von der Konsistenz her immer noch dasjenige Fleisch auf dem Teller, das man zuvor eingekauft hat.

Und auf eine weitere Spezialität sind die Friedlis stolz: «Persönlichkeit, Herzlichkeit, Freundlichkeit, eine umfassende Beratung und das Sich-Kümmern um die Kundschaft machen uns aus». Der Kunde müsse mit einem Lächeln das Geschäft verlassen und nicht das Gefühl haben, ihm sei etwas aufgeschwatzt worden, was er eigentlich gar nicht haben wollte. «Dafür steht unser ganzes Team», erklärt Hans Friedli jun. Zudem arbeitet das Unternehmen mit ausgewählten IP Suisse-ausgezeichneten Produzenten zusammen, was die Qualität seiner Produkte zusätzlich unterstreicht.

«Metzgerhandwerk soll nicht aussterben»

Für die Zukunft wünschen sich Friedlis, dass die Dorfmetzgerei erhalten bleibt, denn eine vierte Generation auf dem Betrieb wird es nicht geben. Noch ist etwas Zeit, aber in sechs bis sieben Jahren soll die Nachfolgeregelung getroffen sein. Dies nicht zuletzt auch wegen der Lehrlinge: Rund 80 junge Berufsleute wurden in den letzten 90 Jahren ausgebildet, «und das Metzgerhandwerk soll nicht aussterben», wünscht sich Hans Friedli jun. Schliesslich ist es ein vielseitiger Beruf, der auch die Lagerung, den Verkauf oder die Kundenberatung umfasst. Und: Ein Metzger von heute muss auch kochen können. «Sogar die Weiterbildung bis hin zum Lebensmitteltechnologen ist möglich. Es ist eine Ausbildung mit Perspektiven und Zukunft», macht er seinen Berufsstand der jungen Generation schmackhaft.

Von Beat Wyttenbach, «Wyttenbach’s Schreibstube», Boningen

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